Zombie vs. Baby

Als ich Schelma dieser Tage beobachte, wie sie sich aus der Sitzposition in die Hocke und von dort in den Stand stemmt, wie sie kurz steht und den neuen Blickwinkel mit Erstaunen verarbeitet und wie sie dann mit wackligen Schritten auf mich zukommt, während es aus ihrem Mund tropft, habe ich ein Déjà-vu. Aber wo nur habe ich so eine Situation schon einmal gesehen?

Von einer geheim gehaltenen Zweitfamilie kann es nicht sein, daran würde ich mich wohl erinnern. Schelma ist schon bei mir angekommen und nutzt die letzte Kraft, um mir gegen die Brust zu springen, als es mir plötzlich einfällt. Ich kann mich nicht an den Titel des Films erinnern, es könnten auch verschiedene Filme gewesen sein. Aber es geht auch vielmehr um die Hauptcharaktere.

Die Ähnlichkeiten zwischen Babys und Zombies sind in der Tat verblüffend. Vergleicht man ihre Attribute, finden sich gleich mehrere Überschneidungen. Zum einen ist da das meist spärliche, immer irgendwie zerzauste Haar. Das Gebiss ist unvollständig, dafür tropft es aus dem Mund wie aus einer lecken Wasserleitung, während die Stimmbänder gleichzeitig unartikulierte Laute fabrizieren, die nicht selten von Gebrabbel in hysterisches, unvorhergesehenes Geschrei ausarten. Würde nicht Schelma, sondern in der gleichen unsicheren, tapsigen Gehweise und in derangierten Klamotten ein Zombie auf mich zutorkeln, würde ich früher oder später ebenfalls scharfe, meist mit Essensresten versehene Nägel vor meinen Augen auftauchen sehen. Essen ist allgegenwärtig, gehört doch auch der unersättliche, nicht mit Logik zu erklärende Appetit zu den Kernmerkmalen beider Exemplare.

Wenn ich Schelma eine Zeitung gebe, dauert es nicht lange, bis das Massaker in Gang ist. Am Ende ist der Boden mit Schnipseln übersät und ich frage mich, wie ich diesen Drang nach Zerstörung bislang nie in Relation setzen konnte. Aber ich kann nicht böse sein – beiden nicht – denn natürlich können sie (der eine noch nicht, der andere nicht mehr) zwischen Gut und Böse unterscheiden. Dafür können sie in mir die Angst vor der nächsten Nacht wecken, die ich in der Gewissheit antrete, mich selbst alsbald zum Zombie verwandeln zu können.

Immerhin: Nun, da ich diese Sache durchschaut habe, bin ich für den Fall der Fälle gewappnet. Wer mit einem Baby klarkommt, der nimmt es auch mit einer Horde apokalyptischer Untoter auf. Traut euch nur her, ich bin bereit!

http://www.howtobeadad.com/2011/1582/zombie-baby
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