Es

Es bewegt sich. Ich spüre es. Direkt neben mir. Das Schnaufen, die ächzenden Geräusche, wie es sich aus dem Schlaf schält, wie seine Gliedmaßen zum Leben erwachen. Ich zögere kurz, lausche, ob es wieder ruhig wird, dann öffne ich die Augen und sehe nur Dunkelheit. Ich versuche, meinen Kopf lautlos zu drehen. Es ist da! Es steht direkt über mir und starrt mich an! Aus seinem Mund dringen schmatzende Geräusche und dahinter … höre ich … die Stimmen … Pa-pi, sagen sie … Pa-pi, spiel mit mir!

Das Licht der Lampe ist wie ein Schlag gegen die Augen. Das Ding schaut kurz irritiert, dann gibt es ein glucksendes Geräusch von sich und … ja, es grinst mich an. Hinter den Vorhängen erahne ich die Schwärze, der Tag hat sich noch nicht dazu entschließen können, aufzustehen. Ich schon. Ich kann nicht anders. Es will spielen.

Seit das kleine Ding einige Stunden des Tages außer Haus verbringt, hat es sich verändert. Es hat sich sogar sehr verändert. Anfangs robbt es noch eher, als dass es krabbelt. Dann werden die Bewegungen flüssiger. Und schneller. Es verfolgt dich. Du kannst dich nicht verstecken. Es riecht dich. In der Küche. In der Toilette. Überall.

„Es hat nun Klick gemacht“, sagt uns unsere Physiotherapeutin und wir wissen, was das bedeutet. Nun steht das kleine Ding bereits, noch nicht vollständig alleine, noch immer wacklig, aber es steht, und es macht Schritte. Immer mehr. Jeden Tag. Spätestens um 6 Uhr morgens, meist einiges davor, erwacht das kleine Ding zum Leben. Pa-pi, sagen die Augen. Pa-pi, spiel mit mir! Und Papa spielt. Immer und immer wieder. Während Papa sich von drei Stunden Morgenspieleinheiten erholt, ist das kleine Ding außer Haus, aber scheinbar nur, um seine Kräfte wieder aufzuladen.

Wenn es wieder nach Hause zurückkehrt, strotzen die Muskeln in den kleinen Armen und Beinen voller Energie wie bei einem Duracell-Häschen. Papa hat keine Chance. Er versucht es trotzdem. Er zieht, hebt, stemmt, kitzelt, die Beine des kleinen Dings strampeln heftig und treffen zielgenau. Dabei erklingt ein fröhliches Glucksen, das sich so anhört wie: Pa-pi, ich will kein Geschwisterchen!

Drei, vier weitere Stunden vergehen, bis wir beide schnaufend und erschöpft am Boden liegen. Dann mobilisiert das kleine Ding noch einmal die letzten Kräfte, zieht sich ein letztes Mal an Papis von Sabber und Schnodder übersätem Shirt hoch, schmiegt sich in meine Arme, blinzelt mich mit einem Lächeln an – und döst langsam ein.