Mutterkuchen zum Dessert

Die Mutter eines Freundes erzählte mir einst eine Anekdote. Als sie vor knapp 40 Jahren ihren Sohn zur Welt brachte, teilte sie das Zimmer im Krankenhaus mit zwei anderen Damen. Eine davon sah ihre Hauptbeschäftigung darin, am Essen herum zu mäkeln. Bis es den anderen Damen zu bunt wurde. Als an einem Tag etwas auf dem Teller landete, das in der Tat nicht viel besser als organischer Abfall aussah, sagte die Mutter meines Freundes: „Das sind die Reste von unserem Kaiserschnitt.“ Die Nörglerin sprang auf und stürmte kreidebleich und mit dem Hand vor dem Mund aus dem Zimmer.

40 Jahre später haben sich die Essgewohnheiten verändert. Selbst aus dem Bekanntenkreis erreichen uns Geschichten, wie der Mutterkuchen als Snack oder in Pillen-Form für später mit nach Hause genommen wird. Danach ist mein Appetit auf die zum Abendessen geplante Lasagne rasch verflogen.

„Wenn die Frauen die Plazenta essen, sind sie energiegeladen, stehen am selben Tage auf, machen ihre Hausarbeit, sind äußerst rege“, lese ich dieser Tage in einem Forum. „Die Plazenta, oder auch Nachgeburt, wird hierbei zerschnitten mit Eiern vermengt und gebraten oder zu einem gar köstlichen Kuchen verarbeitet.“ Es werden in der Folge sogar konkrete Zubereitungstipps geteilt:

1)
800 g frische, gehackte menschliche Plazenta
1300 g Brokkoli
2 Eiweiss
¼ TL Thymian

Die Plazenta in einem Sieb waschen, es können noch Säfte austreten. Danach das Eiweiß zerschlagen und alle Zutaten mit der Hand vermischen. Die Plazenta in Öl zunächst auf hoher Stufe unter ständigem Rühren anbraten, dann langsam die Hitze runterschalten und köcheln lassen, bis alle Flüssigkeit verkocht ist.

2)
¾ gehackte menschliche Plazenta
2 Knoblauchzehen
½ TL Oregano
½ gehackte Zwiebel
2 EL Tomatenmark
1 Tomate
2 TL Olivenöl

Kurz die Plazenta mit den übrigen Zutaten anbraten, danach einfach euer liebstes Lasagne-Rezept nehmen und die Plazenta eine Lage Käse ersetzen lassen.

3)
¾ menschliche Plazenta, in mundgerechten Stücken
1 Dose Tomatenpüree
2 Dosen Tomaten
1 Zwiebel
2 Knoblauchzehen
1 TL Zuckersirup
1 Lorbeerblatt
1 TL Rosmarin
jew. 1 TL Salz, Honig, Oregano, Basilikum und Fenchel

Plazenta in 1 EL Butter und 1 TL Öl anbraten und dann mit restlichen Zutaten ca. 1 ½ Stunden köcheln lassen.

Wer Appetit bekommen hat, dem sei eine Lektüre empfohlen: 25 Placenta Recipes.

Ich für meinen Teil muss grad mal schlagartig das Zimmer verlassen. Und das Abendessen lasse ich heute wahrscheinlich auch ausfallen.