„Wollen Sie noch mehr Kinder?“

Wir haben es gut. In fußläufig nur 15 Minuten stehen uns gleich mehrere Parks, Grünanlagen und Spielplätze zur Verfügung, in denen Schelma sich Sand über den Kopf schütten, in der Erde wühlen oder Grasbüschel ausreißen kann. Um Abwechslung in den grünen Alltag zu bringen, starten wir jedoch regelmäßig zu Entdeckungstouren über die Kiezgrenzen hinaus. Es sind Ausflüge voller Hürden und Herausforderungen.

Die erste begegnet uns gleich an unserer U-Bahn-Station. In der Regel haben wir hier eine 50:50-Chance, ob der Aufzug funktioniert oder nicht. Ich kann keine Statistiken vorweisen, gefühlt funktioniert er jedenfalls meistens nicht. Immerhin kann Papi dann wieder eine kurze Trainingseinheit einlegen. Ist Papi nicht dabei, hat Mutti übrigens Pech. Sollte wider Erwarten doch einmal jemand seine Hilfe anbieten, spricht er meist gebrochen deutsch und hat einen dunklen Teint. Kein Wunder, woher Schelmas Vorliebe für die schönen dunklen Männer rührt.

Viele sind übrigens nicht nur zu faul zum Helfen, sondern auch zum Gehen. Gegen gebrechliche Omas mit Gehhilfen will ich nichts sagen. Und Fahrräder? Ok, geschenkt. Doch diejenigen, die Aufzüge am häufigsten blockieren, tun dies aus reiner Bequemlichkeit. Am Bahnhof Jungfernheide konnte es eine Dame gar nicht eilig genug haben. Statt sich zumindest hinter den wartenden Kinderwagen anzustellen, drängelte sie gleich nach vorne, als der Aufzug sich öffnete. Ohne Gehhilfe und ohne Fahrrad. Als Entschuldigung kann ich höchstens anführen, dass sie wirkte, als wäre sie irgendwo aus dem betreutem Wohnen ausgebüxt.

Wenn wir zusammen mit einem anderen Kinderwagen mitsamt Eltern eingepresst im Aufzug stehen, werde ich oft auch an mein Auslandssemester als Student erinnert. Damals bestand die wesentliche Konversation aus zwei Kernfragen:

Where are you from?
What do you study?

Als Großstadt-Eltern im Aufzug muss man in der Regel auch nur auf zwei Fragen antworten:

How old is she?
What is her name?

Das zumindest sind noch die angenehmeren Begegnungen. Anders als der Herr, der schon einen gruseligen Eindruck gemacht hätte, ohne mit ihm auf zwei Quadratmetern zusammengepfercht zu sein. Er bleckt die Zähne, zieht sie zu einem breiten Grinsen, leckt sich die Lippen, fragt:

Ist es Mädchen oder Junge?
Wie alt ist sie?

Bis hierhin geht es noch.

Wie heißt sie?

Es geht schon an langsam die Toleranzgrenze.

Wollen Sie noch mehr Kinder?

WHAT.THE.FUCK?!

Manchmal stinken einem nicht nur die Fahrgäste, sondern der Aufzug an sich. Am Bahnhof Zoo riechen sie irgendwie immer nach Pisse. Den Vogel hat aber jemand am Hermannplatz abgeschossen. Der kackte direkt in den Aufzug. Ich will nicht sagen, dass die Berliner S- und U-Bahn-Aufzüge nur von Spinnern und als öffentliche Toilette benutzt werden. Viele sind sauber und funktionieren reibungslos. Komischerweise erwischen wir nur immer die anderen.