Frida

Das letzte Mal, als ich etwas aus einem Strohhalm geschlürft habe, muss ich ein Teenager und danach ziemlich hinüber gewesen sein. Als es nun nach all den Jahren wieder passiert, muss ich gegen zwei Dinge ankämpfen: Brechreiz – und Schelma. Ich mag es prinzipiell nicht, mir künstliche Dinge in den Mund zu stecken. Einmal habe ich versucht zu schnorcheln, hab es aber nach den ersten Würgereflexen schnell wieder abbrechen müssen.

Nun überwinde ich mich und stecke mir einen Schlauch in den Mund, dessen Hersteller den Namen „NoseFrida“ trägt. Das andere Ende des Apparats soll in Schelmas Nase verschwinden und mit der puren Kraft meiner Lungen soll ich das aus ihrem Riecher ziehen, was dafür sorgt, dass sie nachts schnarcht wie ein Holzfäller – wie ein kleiner zumindest.

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Schelma ist nämlich gerade in einer interessanten Phase. Im Um-die-Wette-Krabbeln hängt sie mich mittlerweile locker ab, die Schränke und ihre Inhalte werden immer interessanter und die Füße und Beine so stabil, dass man mit ihnen sogar schon herumwandern und viele neue Dinge auf höheren Ebenen entdecken kann. Als ich vor einigen Tagen nach längerer Zeit mal wieder im Fitnessstudio war, erschlägt es mich fast: Parallel zu Schelmas steigender Aktivität bin ich fast 5 Kilo losgeworden.

Gleichzeitig schleppt sie aber auch eine Krankheit nach der anderen nach Hause. Von dem Magen-Darm-Infekt bekomme ich auch noch einen Teil ab, allerdings eine milde Variante, die lediglich einen Abend über dem Klo zur Folge hat. Es folgt eine Erkältung (mal wieder), die wiederum von mir auf Schelma übergegangen ist und sich hartnäckig hält und letztendlich dafür sorgt, dass ich mit einem Plastikschlauch im Mund über ihr hocke, versuche, nebenbei ihre Hände festzuhalten und dabei ihre Nase frei zu saugen. Leider wehrt sich Schelma gegen Frida mit allem, was sie zu bieten hat.

Ganz sicher nicht von mir ist jedenfalls die Hand-Fuß-Mund-Krankheit – kurz auch Maul- und Klauenseuche -, eine Krankheit, von der man erst hört, wenn man ein Kind in der Krippe sitzen hat. Plötzlich sprießen rote Bläschen an Hand, Fuß und Mund, was erst einmal dafür sorgt, dass der wöchentliche Schnappschuss für die entfernt lebenden Großeltern aus Mangel an Ästhetik ausfallen muss.

Trotz der Seuche ist Schelmas Bewegungsdrang ungebrochen. Die tapsigen Schritte enden meist in Papis Armen, bevor sich anschließend ein nasser Mund in mein Gesicht gräbt. Halb so wild. Wenn ich an unser bewährtes Krankheits-Ping-Pong denke, erwarte ich zwar, am nächsten Morgen einem Streuselkuchen im Spiegel zu sehen, aber hey: Immer noch besser als ein Plastikschlauch im Mund! Und wenn ich mir das Produkte-Portfolio von Frida ansehe, bin ich zumindest froh, dass Schelma nicht auch noch Blähungen hat.