Die Supernasen

„Bei euch riecht es immer so schön nach Baby!“

Was die Großmamas bei jedem Besuch zum Strahlen bringt, nehmen wir schon gar nicht mehr wahr. Natürlich hat es mich nie interessiert, was andere Kinder in den Windeln haben. Mit dem eigenen Kind wird man zum Experten. Und sieht es ein: Dass die Fabrik ordentlich läuft, ist das Wichtigste. Wenn das kleine Ding vor Bauschmerzen schreit, geht einem das bis in die eigenen Eingeweide.

Wenn Schelma die Produktion anwirft, erkennen wir das an wenigen untrüglichen Zeichen. Ihr Gesicht wird rot, ihre Augen treten hervor und auf der Stirn erscheint ein Harry-Potter-Mal. Dann ist der Zauber vorbei und die Aufräumarbeiten beginnen. Wenn sie sich nicht so sehr anstrengen muss, erkennen wir den Stand der Dinge durch ihren Geräuschpegel. Dann wird sie plötzlich still und rührt sich nicht mehr von der Stelle.

In den Anfangswochen schauen wir häufiger nach, als es nötig ist, machen uns Gedanken über Häufigkeit, Farbe und Konsistenz. Später, als die Nahrung schon um einige Facetten erweitert wurde, freuen wir uns, das Mittagessen wiederzuentdecken und stemmen die Windel wie einen Pokal in die Höhe: Da ist das Ding! DA! IST! DAS! DING! Wir können gleich sagen, ob es die Nudeln mit Tomatensoße oder der Spinat sind. Auch unsere Nasen erreichen technische Perfektion. Ein fachmännisches Schnuppern und Schnüffeln am Hinterteil kann sofort darüber Auskunft geben, wie ernst die Lage ist.

Das heißt nicht, dass Schelma nicht auch für eine Überraschung gut ist. Es mochte an den herausdrängenden Zähnen gelegen haben, dass sie an einem Tag ganze sechs mal Output produzierte. Es ist einfach verblüffend, was in einem so kleinen Menschen alles drinsteckt. Umständlich wird es nur, wenn der Ort nicht dazu passt, etwa im Park mit Papi, der die Ersatzwindeln vergessen hat oder auf das Parkett in unserer Airbnb-Mietwohnung (wenn du das liest: Sorry, Franz!).

Doch eine Windelaktion führt auch zu neuen Bekanntschaften. Während eines Ausflugs schafft es Schelma in einem Restaurant, sich komplett vollzukacken – von den Füßen bis hinauf zum Rücken. Einen Wickeltisch gibt es nicht. Mutti nimmt die Operation auf der Damentoilette neben dem Waschbecken vor – und Schelma lacht und jauchzt und freut sich, bis alle Damen in der Toilette um das vollgekackte Kindchen herumstehen, lachen, jauchzen und sich mitfreuen.

Es riecht einfach so schön nach Baby!