Papi hat frei

Nach zwei Monaten Elternzeit, nach vielen unterbrochenen Nächten, frühmorgendlichen Spieleinheiten und nachmittäglichen Kuschelstunden, die sich bis in den Abend ziehen, schleiche ich mich in aller Frühe aus der Wohnung und mache mich auf dem Weg zum Flughafen. Zu der Zeit, in der ich Schelma normalerweise zur Kita bringe, steige ich tausend Kilometer entfernt aus dem Flieger und fahre in die Budapester Innenstadt.

Es soll ein kleiner Aufenthalt werden, der mich langsam wieder an das heranführen soll, was man gemeinhin als Arbeit bezeichnet. Doch die geplanten Termine platzen einer nach dem anderen. Also wandere ich durch die Stadt: Vom Oktogon bis zur Grossen Markthalle – 3 Kilometer in etwas weniger als 40 Minuten. Vom Blaha Lujza ter zum Szell Kalman ter – knapp 6 Kilometer in etwa 50 Minuten Stechschritt. Und anderntags wieder vom Blaha Lujza ter über den Oktogon zum Heldenplätz – 3 Kilometer in diesmal gemächlichen Minuten. Nicht mitgezählt sind hierbei die zahlreichen Abzweigungen, um das Fotoarchiv aufzufüllen.

Und so sehr ich auch versuche, mich abzulenken, kann ich das Gefühl nicht ignorieren, dass mir etwas fehlt. Niemand hält mir seine Socken vor die Nase, damit ich daran schnuppern und theatralisch umfallen kann, niemand niest mir ins Gesicht und sprüht das Mittagessen auf mein Hemd, niemand krallt sich an mir fest, sobald ich aufstehen will, niemand benutzt mich als Kletterburg und hinterlässt dabei eine meterlange Sabberspur…

Schelma, Papi kommt bald wieder und ich verspreche dir, dann darfst du so viel niesen, sabbern und auf Papi herumkrabbeln, wie du willst!