„Sie ist wie du!“

Schelmas Entwicklungsbericht zeigt unsere seelische Verbindung. Das macht ihrer Mama Sorgen.

Ich wusste bislang gar nicht, dass das, was Schelma zu Papier bringt, einen Namen hat. Jetzt weiß ich: Es handelt sich um „sinnhinterlegtes Kritzeln“. Endlich ist mir nun auch der Begriff wieder geläufig, der mir so oft auf der Zunge liegt und doch nicht herauskommen will, wenn Schelma mit einem „Du wartest!“ vor mir auf der Treppe hochstiefelt. Es ist natürlich diese Mischung aus Wechsel- und Nachstellschritten, finalisiert mit einem Schlusssprung, wenn wir an der Haustür angekommen sind.

Woher ich mein Vokabular nun erweitern konnte? Wir haben Schelmas diesjährigen Entwicklungsbericht in die Hand bekommen! Und der hat einige Fragen aufgeworfen. Erstens habe ich auf 1,5 DIN-A-Seiten ein halbes Dutzend Grammatikfehler entdeckt. Dafür, dass zwischen Entwicklungsgespräch und Entwicklungsbericht fast ein ganzer Monat lag, finde ich das etwas viel.

Etwas viel fand Schelmas Mama wohl auch die Eigenschaften, über die sie mich mit einem fast vorwurfsvollen „Sie ist wie du!“ informierte. Etwa die Feststellung, dass Schelma sehr gut sprechen kann, aber keine richtige Lust dazu hat. Auch im Sozialverhalten sehe ich Parallelen. Denn Schelma, so steht geschrieben, ist auf wenige Kontakte mit Kindern beschränkt und es fällt ihr schwer, von sich aus Kontakt aufzubauen. Außerdem spiele sie mehr mit sich alleine und es falle ihr schwierig, sich mit den anderen Kindern zu beschäftigen.

Wieder höre ich das „Sie ist wie du!“ in meinem Kopf.

Schlagfertig zitiere ich einen Artikel, der vor einer Weile in der ZEIT erschienen ist. Kernaussage des Autors: Es gibt Menschen, die alleine sehr glücklich sind, die in der Firma in die Küche gehen, um sich einen Kaffee zu holen – und nur um einen Kaffee zu holen. Also kein Smalltalk, kein Netzwerken, kein Tratsch. Nur Kaffee. Schwarz natürlich.

Aber was ist diese Sache mit dem geringen Selbstbewusstsein, dass Schelma in vielen Situationen zeigt? Von mir ist das sicher nicht. Ich fand mich immer toll.

„Nein, nein“, höre ich den Einwand. „Ich stand schon als Dreijährige auf der Bühne und habe einen Musikwettbewerb gewonnen.“

„Mit deiner Flöte oder was?“, frage ich.

„Nein, die kam später“,  kommt die beleidigte Antwort.

Immerhin, die Liebe zur Musik kommt von uns beiden. Schelma weiß noch gar nicht, dass ihr Papi früher in einer Rockband gespielt hat. Stilrichtung? Na so härter (gleichzeitig Titel unseres ersten selbstgebrannten Albums, von dem leider keine Exemplare mehr existieren).

Auch Schelma zeigt laut Entwicklungsbericht viel Freude an Musik. Das merke ich jeden Tag, wenn sie täglich auf dem Weg zum Spielplatz „Bruder Jakob“ trällert – in einer Sprache, die ein bisschen nach Französisch klingt. Aber macht nichts. Wir haben damals ja unsere Lieder auch nur in ungelenkem Schulenglisch dargebracht.

Immerhin mit richtigen E-Gitarren.
Und nicht mit Flöten.

Rock’n’Roll!
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