„Papi auch!“

Nachmittags ist Papi-Zeit. Und bestimmen kann nur eine Person.

Die Tagesabläufe haben wir gut eingeteilt. Am Morgen und am Abend ist die Mama-Zeit mit Hygiene- und Kuscheleinheiten. Nachmittags stehe indessen ich Gewehr bei Fuß und überlege, wie die kommenden Stunden pädagogisch sinnvoll genutzt werden können. Zwar will ich den coolen und souveränen Vater spielen, meist enden diese Stunden dann aber doch ziemlich unmännlich. Schuld daran ist nur ein Satz: „Papi auch!“

Von Zeit zu Zeit etwa überlege ich mir, Schelma beim Abholen von der Kita eine kleine Überraschung zu bereiten und klemme mir ihr pinkes Laufrad unter den Arm. Bei den ersten Versuchen ist sie noch ziemlich regelmäßig auf den Boden geklatscht, aber mit jedem Mal funktioniert es besser. Davon, dass die Handhabung durchaus ihre Tücken hat, konnte ich mich selbst überzeugen.

Während wir gemächlich auf dem Bürgersteig entlangradeln, verlassen plötzlich die magischen Worte Schelmas Mund, gegen die nicht anzukommen ist: „Papi auch!“, sagt sie dann und steigt von ihrem Rad, um mir Platz zu machen. Und Papi hat keine andere Wahl, als sich im Feierabendfußgängerverkehr auf Schelmas pinkem Laufrad abzumühen.

Wirklich neu ist das für mich nicht. Regelmäßig gehen wir als Mama und Papi spazieren. Dann schiebt Schelma ihren Kinder-Kinderwagen vor sich her, dessen pink die trüben Herbststraßen zum Strahlen bringt. Zwar versuche ich ihr immer nahezubringen, dass es ihr Baby ist und sie sich darum kümmern muss, aber wenn sie die Lust verlässt, kommt lediglich: „Papi auch!“ Und dann ist Papi plötzlich Zweifach-Papi und schiebt – gebückt wie Quasimodo – Schelmas strahlende Kutsche über den Asphalt.

Nun könnte man meinen – oder hoffen – zumindest zu Hause hätte ich die Hosen an. Pustekuchen. Als Schelmas Mama eines Tages am späten Nachmittag nach Hause kommt, zeigt Schelma freudestrahlend auf die pinken Haarspangen auf meinem Kopf und informiert: „Papi auch!“ Vorher, wenn wir alleine sind, brauche ich gar nicht fragen, was ich machen soll. In solchen Momenten etwa, wenn Schelma ihr Puzzlebuch vor sich auf den Boden legt, auf den Platz neben sich klopft und sagt: „Papi auch!“

Von Schelmas Cousine, die langsam der Volljährigkeit entgegengeht, kursiert die Geschichte, dass sie als kleines Mädchen einmal die Woche ihren Papi heiraten wollte. Aber nicht auf die plumpe Las Vegas-Art, sondern mit Stil, d.h. mit Mamas Brautschleier auf dem Kopf und dem Papi in angemessener Garnitur. Die gab sie vor und bestand pflichtgemäß aus einer Lederjacke und Sonnenbrille.

Mir bangt etwas vor dem Moment, wenn ihre Cousine Schelma von diesen allwöchentlichen Hochzeiten mit ihrem Rocker-Papi erzählt. Vielmehr vielleicht noch vor dem, was danach unweigerlich kommt, nämlich: „Papi auch!“

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