Der Bluthund

Jede Regierung hat ihre Hardliner und Bluthunde. Ich habe meine Frau.

Spielplätze könnten eigentlich so schön sein. Gebe es da nicht die Eltern. Erst neulich schnappt mir eine Mutter den Platz auf der Schaukel weg. Ich warte bereits dort auf Schelma, als sie ihr Kind schnappt, es auf die Schaukel setzt und vollendete Tatsachen schafft.
„Das ist echt nicht nett“, meckere ich, worauf sie süffisant lächelt und sagt: „Wir wollen auch schaukeln.“
Als wir uns wenig später im Sand wiedertreffen, trete ich ihr in meinen Gewaltfantasien süffisant die Sandburg kaputt. Das tue ich natürlich nicht wirklich, auch wenn es mich sehr juckt. Ich setze zumeist auf Diplomatie. Für das Drohpotential schicke ich lieber meine Frau vor. Niemand kann den Job besser.

Es geht mir schon lange gegen den Strich: Manche Eltern gehen davon aus, dass alle Spielzeuge auf dem Spielplatz Allgemeingut sind. So strömt ihre Brut aus und krallt sich, was nicht gesichert ist. Schelma kann nur mit einem hilflosen „meins“ protestieren, aber noch bevor sie reagieren kann, sind die kleinen Diebe auf den Weiten des Spielplatzes verschwunden. Die Großeltern fragen zumindest noch, bevor sie die kleinen Dinger zugreifen lassen. Da lobe ich mir die Erziehung von früher. Und die Eltern? Die schauen meist zu. Im besten Fall.

Im schlechtesten Fall nehmen sie die Sachen selber. Ich sehe gerade noch aus den Augenwinkeln, wie die Frau eine kleine Eis-Form in ihrer Tasche verschwinden lässt.
„Hey, das gehört aber uns“, werfe ich ein, im Ton noch locker.
„Oh, nein, nein, das haben wir mitgebracht“, wiegelt sie ab.
Das ist natürlich eine dreiste Lüge. Deshalb behalte ich sie umso mehr im Auge, nachdem ihre Rotznase auch noch eine von Schelmas Sandschaufeln an sich gerissen hat.

Als sie schließlich den Spielplatz verlassen will – ohne Anstalten zu machen, uns unser Eigentum zurückzugeben –, stelle ich sie zur Rede.
„Oh, wir haben sie dort vorne gelassen.“
„Na gut“, knurre ich sie an, und gehe los, unser Eigentum zurückzuholen.

Für Schelmas Mama ist die Sache damit nicht erledigt. Während ich nach unserer Schaufel suche, sehe ich, wie sie zu der Kleptomanin stürmt und wild gestikulierend auf sie einredet. Der Wind trägt ihre Worte fort, doch ich kenne sie gut genug, um zu wissen, dass sie ihre Widersacherin wohl in jedem Moment mit den Haaren durch den Sand schleifen würde – ja, sogar auf die richtig harte Tour durch den matschigen Sand am Wasserbrunnen.

In diesem Fall kommt sie noch einmal davon. Während die Diebeskrähe, nachdem sie unsere Besitztümer pflichtschuldig abgegeben hat, vom Spielplatz schleicht, raunt ein Flüstern der Mütter über den Grund, die die Szene beobachtet und ihre Kinder zur Seite genommen haben. Schelmas Mama steht noch da, sich im Glanze ihres Sieges sonnend, als sie kommen. Ein Kind nach dem anderen bringt uns seine Buddeln und Schaufeln – als würden sie Opfergaben auf einen Altar stapeln, um einer neuen Göttin zu huldigen.

Von Kämpfen gezeichnet: Pipi

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