„Ah, Bus. Ah, Bus“

Schelma ist in der Kita in aller Munde. Sie selbst hat andere Leidenschaften.

„Oh, Schelma-Papi“, freut sich der Knirps, als ich ihn mit seiner Mama in der Garderobe begegne.
„Das hast du gut erkannt“, lobe ich ihn.
„Schelma hat es ihm angetan. Immer, wenn er ein Mädchen sieht, ist es Schelma“, werde ich informiert. Ich wundere mich nicht, höre ich das doch nicht zum ersten Mal.

„Eines der ersten Worte nach dem Aufstehen ist ‚Schelma‘“, erzählte mir unlängst eine andere Mutter über die morgendlichen Gespräche mit ihrer Tochter. Leider konnte ich den Ball nicht zurückspielen, denn von ihren Kita-Kameraden hat Schelma bislang noch nie erzählt. Schelma erzählt vor allem von öffentlichen Verkehrsmitteln.

Ja, der ÖPNV hat es ihr angetan. Wenn Schelma eine „Eeh-Bah“ (=S-Bahn) sieht, ist der Tag schon schön. Doch das ist nichts im Vergleich zu einem weiteren öffentlichen Verkehrsmittel. Wenn morgens auf dem Weg ein Bus unseren Weg kreuzt, ist sie völlig aus dem Häuschen. „Ah, Bus, ah, Bus“, sprudelt es dann aus ihr heraus. Neulich am Busbahnhof sind ihr vor lauter Reizüberflutung fast die Augen aus dem Kopf gesprungen und sie kam mit „Ah, Bus, ah, Bus, ah Bus“ kaum noch hinterher, so viele „Ah, Bus“ drehten da ihre Kreise.

Die Leidenschaft setzt sich zu Hause fort. Schauen wir uns einen Trickfilm oder ein Märchen an, beginnt sie früher oder später zu nörgeln. Bei einem YouTube-Video über die Berliner Eeh-Bah rührt sie sich nicht und starrt wie gebannt auf den Bildschirm. Das Kinderlied „The Wheels on the Bus go round and round“ hören wir täglich – in Endlosschleife und in allen Sprachen, die zur Verfügung stehen.

Um Schelma also auch außerhalb der Wohnung eine besondere Freude zu machen, müssen wir uns etwas Besonderes einfallen lassen. Und so führt uns unser Weg direkt ins Wedding. Wir kommen an Cafés vorbei, in denen Start-up-Leute Latte Macchiato und Café Latte trinken, und hätten unser Ziel fast verfehlt, das sich unmerklich in eine Industrie-Umgebung einschmiegt.

Das Besondere am Café Pförtner, in das wir Schelma an diesem Tag entführen, ist ein ausrangierter Stadtbus im Hof, der als Lounge fungiert. Für Schelma fallen Weihnachten, Ostern, Geburtstag und was es sonst noch so gibt zusammen. „Ah, Bus, ah, Bus, ah Bus“, jauchzt sie glücklich. Und als dann auch noch „Mjam, mjam“ vor ihr auf dem Tisch steht, wissen wir: Wir haben alles richtig gemacht.

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