Trotzki

„Trotzanfälle sind ein Zeichen für die Entwicklung Ihres Kindes. Es entdeckt gerade, dass es Einfluss auf seine Umwelt haben kann.“ Und meine Aufgabe dabei? Nerven bewahren!

Ich bin froh, dass es den Elternbrief gibt. Sonst würde ich manchmal zweifeln, ob Schelma noch alle Tassen im Schrank hat. Dann etwa, wenn sie den auf dem Spielplatz die Schaukel räumen und dann dabei zusehen muss, wie ein anderes Kind „ihren“ Besitz in Beschlag nimmt. Es gibt Grenzen und die sind für Schelma in so einem Fall überschritten. Und dann wird es laut.

Während mein Kesseldruck parallel zu Schelmas Schreien ebenfalls kontinuierlich wächst und kurz vorm Platzen steht, erinnere ich mich an die beruhigenden Worte, die der Elternbrief in solchen Fällen bereithält: „Herzlichen Glückwunsch, Sie haben ein gesundes Kind!“

Die Ausfälle meines gesunden Kindchens sind, so informiert der Elternbrief, der Höhepunkt des berüchtigten Trotzalters, das mit etwa anderthalb anfängt und bei den meisten Kindern um den dritten Geburtstag herum allmählich nachlässt. Wenn das stimmt, steht mir noch ein Jahr bevor, in dem ich versuche lässig dazustehen und Kaugummi zu kauen, während mein Kindchen die Nachbarschaft zusammenschreit.

Kinder in diesem Alter, lese ich, erleben den Zwiespalt zwischen Wollen und Können. Dabei kann ich nicht behaupten, dass ich von Schelmas neuer Eigenständigkeit nicht durchaus beeindruckt wäre. Dass sie sich alleine die Hose anzieht, gehört schon regelrecht zum Alltag. Ob vorne und hinten dabei richtig sitzen, ist nebensächlich. Versucht Papi allerdings zu helfen, wird aus der kleinen Jekyll die kleine Hyde. „Oft stehen die Wutausbrüche in keinem Verhältnis zum Anlass“, lese ich im Elternratgeber und muss zustimmend mit dem Kopf nicken.

Kopfschütteln hingegen überkommt mich, als ich auf einer von diesen Ratgeber-Seiten den Hinweis von einer besonders klugen Dame lese, die meint, in solchen Fällen solle man Sätze sagen wie: „Ich verstehe deinen Zorn“ oder „Ich kann deine Gefühle nachvollziehen“. Das tue ich natürlich nicht, aber ich versuche es trotzdem – und siehe da, es tut sich … nichts. Zumindest nicht gleich. Erfreulicherweise dauern Schelmas Ausfälle nie lange an.

Und wenn ich es mir recht überlege, könnte Schelmas Trotzphase sogar noch intensiver ausfallen, zumindest wenn die These einer Kollegin aus meinem Sprachkurs stimmt. „Je schlimmer die Trotzphase, umso milder die Pubertät“, meint sie auf ihre eigene Entwicklung zurückblickend. Wenn das stimmt, kann ich nur sagen: „Lass alles raus, Schelma, lass alles raus!

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2 Gedanken zu “Trotzki

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