„Willst du angepinkelt werden?“

Die diesjährige Spielplatz-Saison ist in vollem Gange. Als Schöngeist kommt man dabei oft an seine Grenzen.

Mein Kind entwickelt seinen eigenen Willen. Wie schön. Wenn Schelma nun ihren kleinen Finger hebt und „Tam, tam“ sagt – in diesem Falle Polnisch für dort, dort – weiß ich schon genau, wo die Reise hingeht. Zu Pippie, zu den Piraten oder zu einem der anderen Spielplätze, die sich in unserem Umkreis befinden. Und bei jedem weiß ich, was mich erwartet.

Der Pippie-Spielplatz ist der einzige, der über eine Wasserpumpe verfügt. An einem besonders heißen Tag erscheint mir das als geeignetes Ziel, wohl wissend, dass Schelma danach wohl aussieht wie ein kleines Schweinchen. Meist sind wir zu einer Zeit am frühen Nachmittag auf den Spielplätzen, bevor der große Ansturm einsetzt. Nicht so dieses Mal. Der Platz ist schon von einer Meute okkupiert, die bis auf die Unterwäsche ausgezogen ist, kreischt, quiekt und sich im Schlamm wälzt.

Zunächst widmen wir uns schöngeistig der Architektur und bauen Sandfiguren. Leider keinen Meter von einer Schlammgrube entfernt, also an einem strategisch eher ungünstigen Ort. Ich schenke dem zunächst keine Beachtung, bis ich in den Augenwinkeln einen Schatten wahrnehme und dann den Schrei: ARSCHBOMBE!!

Bevor ich meinen Erziehungsauftrag vergesse und schreien kann, dass er sich das ja nicht nicht wagen soll, ist die Arschbombe vollzogen. Danach macht es keinen Sinn, sich noch Mühe zu geben. Als wir später nach Hause kommen, haben wir wieder eine Ladung für die Waschmaschine im Gepäck.

An einem anderen Spielplatz in der Nähe ist es nicht der Schlamm, vor dem es mir graut – sondern die Kinder. Bei einem der jüngsten Besuche beweist sich wieder einmal, dass es durchaus Gründe gibt, kleine Nervensägen nicht zu mögen. „Wie heißt du? Wie heißt deine Tochter?“, werde ich von einem schielenden Mädchen gelöchert. Ich bin so freundlich und antworte und erfahre daraufhin: „Bei uns wohnt auch eine Schelma. Sie wohnt im 4. Stock und wir im 2.“ Ich danke für die Information und versuche, sie irgendwie loszuwerden, da wartet die nächste Plage,

Sie kommt auf uns zugewankt, zwischen den Beinen hat sie eine mit Sand beladene Schaufel eingeklemmt und schreit laut wie eine Marktfrau: „Wer will angepinkelt werden? WER WILL ANGEPINKELT WERDEN???“ Ich versuche krampfhaft, mich und Schelma unsichtbar zu machen, auf den Sand zu starren, in jedem Fall nicht aufzufallen.

Hoffnungslos.

„Willst du angepinkelt werden“, fragt sie erneut und ich weiß, dass sie diesmal nur mich meint. „Heute nicht“, lehne ich höflich ab. „Gerne das nächste Mal“, lüge ich weiter und beschließe innerlich, dass es nie wieder ein nächstes Mal geben wird.

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