Der Bluff

Eine Woche nach ihrem Verschwinden gibt es nach wie vor keine Spur von Lala. Da müssen wir zu anderen Mitteln greifen.

Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht an sie denke, an dem mich Schelmas fragender Blick nicht an sie erinnert. Tagtäglich prüfe ich die Fundsachen im Online-Büro der Verkehrsbetriebe, immer wieder hoffend, dass unter der Rubrik „Spielzeuge“ unsere Lala auftaucht. Aber tagtäglich empfängt mich nur wieder die Enttäuschung. Koalas, Löwen, Giraffen und sonstiges exotisches Getier sind in den Bussen und Bahnen liegengeblieben und abgegeben worden. Unsere Lala natürlich nicht.

Es bleibt nichts anderes übrig, als zu anderen Mitteln, genauer: in die Brieftasche zu greifen. Während Schelma vormittags in der Kita nichts ahnend vor sich hin spielt, strömen wir aus, um das perfekte Ebenbild von Lala zu finden. Koste es, was es wolle. Hauptsache, unser Gewissen ist beruhigt. Nach Stunden der Suche werden wir schließlich fündig. Dass sie sich auf das Haar gleichen, wäre sicherlich übertrieben, aber auf den ersten Blick ist die Ähnlichkeit mit Lala durchaus verblüffend.

Nur wird Schelma dem Bluff auf die Spur kommen?

Ich kann es vorwegnehmen: Sie wird es nicht. Im Gegenteil. Als wir Schelma Lala II. präsentieren, rastet sie fast aus vor Freude, gluckst und lacht und strahlt wie ein Atomkraftwerk. Wir schauen uns an, erschöpft, aber glücklich, mit einem Lächeln und der Gewissheit: Man kann sich alles kaufen. Selbst ein reines Gewissen.

Willkommen in de Familie, Lala II.!

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