Lala – verzweifelt gesucht

In den letzten Wochen hat sich zwischen Schelma und ihrer Lieblingspuppe Lala eine innige Freundschaft entwickelt. Dann ist Lala plötzlich verschwunden.

Als wir es bemerken, ist es schon zu spät. Vom Flughafen kommend sitzen wir bereits in der U-Bahn, als wir merken, dass jemand fehlt. Schelma ist da. Sie fläzt sich gerade auf der Bank oder klettert auf Papis Beinen herum. Aber wo ist ihre beste Freundin? Eben doch noch lag Lala im Tragenetz! Wo ist sie hin?!

Uns bricht der Schweiß aus. Wenn Schelma aus ihren Eltern noch jemandem nahe war, dann ist es Lala gewesen. Sie haben miteinander geschlafen, miteinander getanzt und sind zusammen spazierengegangen. Sie sind miteinander verreist, Schelma hat sie angezogen, ins Bett gebracht oder auch einmal kopfüber ins Töpfchen gesteckt. Und nun ist diese innige Freundschaft mit einem Mal zerrissen.

An der nächsten Haltestelle springe ich aus dem Wagen und hoffe, dass es noch nicht zu spät ist. In gefühlter unendlicher Langsamkeit bringt mich die U-Bahn zurück an unseren Ausgangspunkt, wo ich hoffe, zumindest eine kleine Spur von Lala zu finden. Ich träume mir aus, wie sie unbeschädigt daliegt, wie die Sache mit einer Entschuldigung aus der Welt geräumt ist – kann ja jedem mal passieren – und wie Papi als strahlender Held und Retter mit Lala im Arm zu Schelma zurückkehrt.

Träum weiter, Kumpel!

Noch in der U-Bahn-Station stecke ich meinen Kopf in jeden Mülleimer in der Hoffnung, einen Teil von Lalas pinkem Outfit zu erblicken. Doch nichts! Im Kiosk schaut mich die Verkäuferin dümmlich an, als ich sie frage, ob jemand eine Puppe bei ihr abgegeben hat. Auch hier Fehlanzeige. Ich stürme – bereits in Schweiß gebadet – die Treppe herauf, durchwühle jede Mülltonne, an der wir vor nicht einmal einer Stunde vorbeigekommen sind, schaue in Rinnsale und muss doch meine Niederlage eingestehen. Nein, ich kehre nicht als strahlender Retter heim, sondern geschlagen und mit leeren Händen. Lala ist verloren!

„Lala? Lala?“ Schelmas Frage klingt wie das Winseln eines kleinen Hundes und zerreißt uns das Herz. Erst wollen wir Schelma erzählen, dass Lala mit der Oma nach Hause gefahren ist, damit die nicht so allein ist. Dann versuchen wir es mit einem perfiden Trick. Noch haben wir Lalas Mütze zu Hause, die uns nun wie ein bitterer Vorwurf anstarrt. Wir setzen sie Schelmas anderer Puppe auf den Kopf, in Größe und Gestalt Lala zumindest nicht unähnlich, und sagen: „Hier ist Lala.“ Wir sind uns selten so schäbig vorgekommen. Aber Schelma scheint den Köder zu schlucken. Zumindest vorerst.

Am nächsten Tag setze ich alle Hebel in Bewegung, setze Notrufe ab an das Fundbüro der Verkehrsbetriebe und am Flughafen. Nichts. Mit jeder verronnenen Stunde schwindet die Hoffnung. Und ich weiß nicht, wie lange wir Schelma noch hinhalten und ihr ins Gesicht sehen können, wenn sie wieder wie ein Welpe winselt und es mich in den Träumen verfolgt, dieses eine Wort: „Lala, Lala …“

Lala, wo bist du?!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.