Mutter des Jahres

Schelma entdeckt ihre mütterlichen Gefühle. Die Erziehungsmethoden lassen jedoch noch zu wünschen übrig.

Endlich! Schelma hat es wieder auf die Wall of fame geschafft. In unserer Kita hängen regelmäßig Bilder der Tageshöhepunkte aus und Tag für Tag hofft jeder Elternteil, seinen Sprössling dort abgebildet zu sehen. Man sieht sie dabei etwa bei solch kolossalen Errungenschaften wie dem Bauen eines Turms aus Lego-Steinen oder dem Essen einer Torte. Von Schelma weiß ich nun, dass sie auch in der Kita ihren Mutterinstinkten nachgeht.

Das deutet sich schon seit einiger Zeit an. Gehörten vor einigen Monaten noch Bücher zu ihrer Lieblingsfreizeitbeschäftigung, so entdeckt sie zunehmend ihre weibliche Seite. Als erstes kam Laura. Laura macht Geräusche, wenn man ihr kräftig auf den Brustkorb drückt. Früher konnte sie auch kichern, wenn man ihr den Fuß zusammendrückte, aber das hat sie sich nun abgewöhnt. Überhaupt: Seit ihr neulich einmal der Kopf abgefallen ist, ist sie irgendwie nicht mehr die selbe. Wenn Schelma noch mit ihr spielt, dann eher aus Mitleid.

Dafür ist Lauras Schwester Lala nun Schelmas liebstes Kind. Lala macht keine Geräusche, dafür kann sie allerliebst mit ihren blauen Äuglein klappern. Den starren Blick finde ich persönlich immer ziemlich gruselig, aber Schelma hat Lala längst in ihr Herz geschlossen. Und macht das, was eine Mutter mit ihrer Tochter so tut. Sie fährt mir ihr im Babywagen spazieren. Kopfüber. Sie fährt zusammen mit Lala im Kinderauto und hilft ihr auf, wenn sie mal wieder unter die Räder gekommen ist.

Der jüngste Elternbrief hat mich zudem daran erinnert, dass es langsam auch einmal an der Zeit wäre, Schelma das Töpfchen näherzubringen. Sofort mache ich mich auf zur Drogerie und besorge ein Exemplar, das sich farblich prima in Schelmas Spielumgebung einfügt. „Töpfchen beginnt im Kopf“, lese ich Schelma aus dem Elternbrief vor, während sie misstrauisch um Papis neue Errungenschaft herumschleicht. Schließlich scheinen meine Worte zu ihr durchzudringen. Sie schnappt sich Lala und steckt sie kopfüber ins Töpfchen.

Auf dem Bild auf der Wall of fame in der Kita sehe ich, wie die Kamera Schelma mit einem glücklichen Gähnen eingefangen hat, nachdem sie ihre Puppenkinder zugedeckt und ins Bett gebracht hat. Zu Hause hat sie Lala nach einem so erfolgreichen Pucken schon einmal liebevoll in Papis Arme gelegt. Auf die Frage, ob sie denn ein Brüderchen oder Schwesterchen wolle, antwortet sie jedoch mit einem rabiaten „Nein!“, packt Lala an der Gurgel und überdenkt ihre Mutterrolle wohl noch einmal neu.

Der Ansatz ist gut. Aber ein bisschen müssen wir noch üben.

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