Guter Bulle, böser Bulle

Jeder kennt die altbekannte Rollenverteilung: Guter Bulle – böser Bulle. Der eine wird gemocht, der andere im besten Falle respektiert, im schlechteren gefürchtet. Eine solche Rollenaufteilung stellt sich zwangsläufig auch in einer Ehe mit Kindern ein. Wobei die Rollen nicht fest vorgegeben sind. Im ersten Lebensjahr habe ich eher den lieben Part übernommen, während Schelmas Mama für die Verbote zuständig war. Heute sind die Rollen vertauscht, denn wenn es um Mutti geht, kennt Schelmas Kuschelbedürfnis derzeit keine Grenzen, sei es auf der Couch, in der Küche, auf dem Klo oder beim Schuhe anziehen.

Wenn sie sieht, dass Mutti vorhat, aus dem Haus zu gehen, setzt sie auf friedlichen Widerstand und sich selbst kurzerhand auf Muttis Beine, wenn die sich am Boden sitzend die Schuhe anzieht. Dem kurzen Gang zum Bäcker geht daher oft ein Abschiedsritual von minimal 15 Minuten voraus, gefolgt von einem Tränenmeer, wenn sich die Tür dann tatsächlich geschlossen hat.

Ich habe diese Entwicklung durchaus mit etwas Eifersucht beobachtet. Wenn ich mich zum Gehen fertig mache, höre ich kein Jammern und Wehklagen. Stattdessen bringt mir Schelma die Schuhe. Und wenn ich durch die Tür trete, ertönt kein Geschrei, sondern ein Händchen erhebt sich und macht Winke-Winke. Ein Vorgang, undenkbar bei Schelmas Mutti. Wenn Schelma von ihr ins Bett gebracht wird, endet das meist nicht, ohne noch eine halbe Stunde Händchen zu halten. Bei mir macht sie die Augen gleich zu.

Aber in der Beobachtung des Alltags bin ich durchaus auf Vorteile gestoßen, den strengen Part inne zu haben. Wenn sich Schelma beim Windelwechseln unter Mutti Händen sträubt und windet und lieber kuscheln will, stehe ich mit einem müden Lächeln hinter der Tür und erwarte den Hilferuf. Sobald ich erscheine, kehrt auch die Disziplin bei Schelma zurück.

Dann lässt sie sich auf den Rücken nieder und die Prozedur ohne Meckern über sich ergehen. Während sich Mutti abmüht, Schelma unter viel Gestrampel und Protest Body und Hosen anzuziehen, hebt sie bei Papi artig Ärmchen und Beinchen und legt eine bewundernswerte Kooperation an den Tag. Am Tisch mit Papi ist keine Spur mehr von der mäkeligen Rebellin, stattdessen wird gegessen, was auf den Tisch kommt und erstaunlich wenig davon landet auf dem Boden.

Da soll noch einer sagen, Autorität wäre nicht mehr zeitgemäß.

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