Operation Einhorn

Just am Geburtstag der EU wächst auf Schelmas Kopf ihre erste richtige Beule – dem Anlass entsprechend im Blau der EU-Flagge. Sterne hat sie wahrscheinlich auch einige gesehen. Ich weiß: Eigentlich gehört es sich ja nicht, über sein Kind zu scherzen. Als Schelma ihre Slapstick-Nummer hinlegt, kann ich mir ein Schmunzeln jedoch nicht verkneifen.

Sie ist an diesem Tag bestens drauf, strotzt vor Energie und ich tue mein Bestes, um diese Energie in halbwegs vernünftige Bahnen zu lenken. In dem Augenblick, in dem ich kurz verschnaufe, passiert es aber: Schelma macht eine rasche Drehung um sich selbst, gluckst und quiekt dabei vor Freude, verpasst nur leider die Tür und knallt mit dem Kopf gegen den Türrahmen, wird vom Aufprall zurückgeworfen und landet rücklings auf dem Fußboden.

In dem Moment ist die gute Laune bei ihr für Erste verflogen und es dauert nicht einmal fünf Minuten, bevor das Zeichen auf ihrer Stirn wächst, kein Hörnchen, sondern ein richtiges Matterhorn in strahlendem EU-blau. Als das Mal auf ihrem Kopf erscheint, hat Schelma die Tränenphase bereits hinter sich und hat schon wieder begonnen, zu glucksen und zu quieken.

„Mein Kindchen, die erste Beule“, denke ich noch versonnen an meinen eigenen Kindheitsunfälle zurück, als ich ein lautes Jammern und Wehklagen höre. Das kommt diesmal aber nicht von Schelma, sondern von ihrer besorgten Mutti, die das EU-Hörnchen erblickt hat und nun in den Krisenmodus umschwenkt. Sofort wird eine Notfall-Telefonkonferenz mit der Oma in Stettin geschaltet und die Operation Einhorn besprochen, evaluiert, nach Lösungen gesucht. „Vielleicht hat sie eine Gehirnerschütterung“, höre ich durch den Hörer, während Schelma durch das Zimmer flitzt, das Hörnchen voran, und nach ihren Spielbällen hechelt.

Zunächst versucht man sich in Schadenbegrenzung. Die Lösung: Eidotter. Das wird der verwunderten Schelma auf die Stirn geschmiert, in der Hoffnung, das EU-Hörnchen in überschaubarem Maße zu halten, quasi eine Kern-EU ohne Süd- und Osterweiterung.

Als wir nach Schelmas Mittagsschlaf danach schauen, hat sich nur nicht viel getan und Schelmas Gesicht macht immer noch einen so lädierten Eindruck wie der eines Staatschefs nach einem nächtlichen EU-Verhandlungsgipfel. Das Lächeln hat sie zwar nicht verloren, dafür sieht es irgendwie ein bisschen schief aus. Sofort wird das niederschmetternde Resultat nach Stettin weitergeben. Dort findet man sich schnell mit dem Unabänderlichen ab: „Na ja, zumindest ist bei euch immer was los.“

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