Nein, nein, nein

In Zeiten von Fake News und alternativen Fakten weiß man gar nicht mehr, woran man glauben soll. Für die Realität gehalten habe ich zum Beispiel Berichte von mehrjährigen Kita-Wartelisten, von Bio-Terror-Eltern oder von Burnout-Erziehern.

Erfreulicherweise hat sich, als es darauf ankam, eine alternative Realität gezeigt, in der die Eltern durchweg gewöhnlich sind, in der die Kita 3 Minuten entfernt ist und hinter deren Türen nichts anderes vonstatten geht als der normale Kita-Wahnsinn mit Weinen, Schreien und Gesang.

Doch manchmal kriecht die harte Realität auch in die Idylle – und Warnungen, die man mit aller Routine eines 1,5-jährigen Vaterseins abtut, sind plötzlich von erschreckender Aktualität.

Es begann schleichend. Als eine Freundin, die Schelma zuletzt als Baby gesehen hat, zu Besuch ist, wird sie der Entwicklung gewahr, wie aus dem kleinen Ding ein … na ja, etwas größeres Ding geworden ist, das nun läuft, klettert und plappert. „Das ist ja ein … Mensch!“, ruft der Besuch voller Erstaunen aus.

Schelmas Menschwerdung hat mittlerweile einen faszinierenden Punkt erreicht. Sie nimmt ihre Umwelt bewusster wahr, beobachtet, macht nach. Das ist bei der Haushaltsarbeit von Vorteil. Weniger allerdings, wenn sie sich die Verhaltensweisen ihrer um etwas älteren Kita-Kollegen anschaut, die gerade den Horror aller Eltern durchmachen. Einen Horror namens: TROTZPHASE.

Anfangs ist es noch niedlich, wenn Schelma zunehmend ihren Willen artikuliert. Das artet jedoch schnell in kleine Aggressionsschübe aus und das Essen landet nicht im Mund, sondern fliegt quer durch die Luft, ebenso wie Bauklötze, Plüschtiere, Kissen und alles andere, was sie in die Finger kriegt. Begleitet wird dies von einem energischen „NEIN! NEIN! NEIN!“.

Immerhin ist Schelma nicht völlig beratungsresistent. Weist man sie mit eindringlichen Worten darauf hin, dass sie sich bitte ruhigen soll, tut sie das tatsächlich – und das „NEIN! NEIN! NEIN!“ klingt dann eher nach einem lauten Flüstern.

„Ach, das macht sie bei uns auch, wenn sie genervt ist“, sagt Schelmas Lieblings-Erzieherin. Das könnte uns vermeintlich beruhigen, aber insgeheim wissen wir, dass uns noch viel mehr bevorsteht und sich Schelmas Willensartikulation eines beängstigenden Tages nicht nur mehr in der heimischen Abgeschiedenheit, sondern in aller Öffentlichkeit abspielen wird.

Was sollen wir tun? Wie müssen wir reagieren? Was können wir sagen? Mir fällt nur eines ein: Ein verzweifeltes NEIN! NEIN! NEIN!

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