Eine Frage der Erziehung

Kinder müssen nicht zwangsläufig ein ganzes Leben auf den Kopf stellen. Nur die Gedanken drehen sich nicht mehr allein um einen selbst. Und je mehr Lebensmonate verfliegen, umso öfter stellt man sich die Frage: Mmh, wie erziehe ich das kleine Ding eigentlich richtig?

Da unsere Bücherregale sich mehr und mehr mit Schelmas bunter Lektüre füllen, gibt es leider keinen Platz mehr für Elternratgeber. Einen einzigen haben wir uns noch vor der Geburt gekauft. Eine in Paris lebende Amerikanerin erklärt darin, was französische Eltern besser machen. Im Grunde läuft es auf eine Sache hinaus: Locker bleiben.

Das ist wiederum nichts, womit die deutschblütigen Freunde von Struktur und Ordnung viel anfangen können. Hier braucht es genauere Anweisungen. Und just während meiner jüngsten Gedankenspiele über die passende Erziehung stieß ich doch tatsächlich auf recht klar benannte Vorgaben, aus denen ich nun wählen kann.

Zur Auswahl stehen demnach drei Formen der Erziehung. Den Beginn macht der autoritäre Stil, der Klassiker aus Bestimmen und Bestrafen. Das mag altbacken klingen, aber in Zeiten, in denen Kinder Eltern, Lehrern und eigentlich so jedem (angeblich) auf der Nase herumtanzen, klingt der gute alte Gehorsam wie eine verlockende Variante. Dazu passt ja, dass selbst Experten wieder nach Autorität und Disziplin schreien.

Das Problem mit den Experten wiederum ist, dass es sie auf allen Seiten gibt und sicher gibt es auch diejenigen, die den permissiven Stil propagieren, d.h. Verwöhnen und laufen lassen. Wenn ich aber darüber nachdenke, dass ich Schelma alles machen lasse, wonach ihr gerade der Sinn steht, sehe ich mich selbst in der Klapse und Schelma als verwöhntes Balg enden.

Übrig bleibt die dritte Variante, der autoritative Stil. Hier gibt es Regeln, die sind aber tolerant ausgelegt und nicht in Stein gemeißelt. Wenn Schelma also wieder einmal Muttis BH als Kopfbedeckung benutzt – was lustigerweise aussieht wie eine niederländische Frau Antje Haube – wird sie nicht getadelt, jedoch darauf hingewiesen, dass sie noch ein bisschen warten muss, um ihn zu benutzen. Dann aber kann sie selbst entschieden, wie. Ich glaube, das System behalten wir bei.

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Lauschangriff

Wenn ich Schelma am Nachmittag von der Kita abhole, weiß ich nie, was ich mit den anderen Eltern, in der Regel den Müttern, in der Garderobe reden soll. Mit „Hallo“ und „Tschüss“ und vielleicht noch „schönes Wochenende“ ist mein Repertoire ziemlich ausgeschöpft. Ich traue mich nicht einmal zu fragen, was es bei ihren Kindern an Neuigkeiten gibt, denn ich kann mir die Namen von den anderen partout nicht merken. Weiterlesen