Psycho

In unserem Badezimmer spielen sich in letzter Zeit filmreife Szenen ab. Und geräuschvoll ist es obendrein. Das hat nicht viel mit Erotik zu. Trotzdem haben wir Sorge, dass die Nachbarn stutzig werden und einmal mit Verstärkung in Uniform an unserer Tür stehen. Der Grund? Wir waschen Schelma die Haare.

Als wir Schelma etwa eine Woche nach der Geburt in den Genuss ihres ersten Bades kommen lassen, schreit sie noch aus Protest, was das nun wieder für eine Aktion sein soll. „Was mutet man mir denn noch zu?“, schien ihr Gesichtsausdruck zu sagen. Erst raus aus dem Bauch, dann ständig an die frische Luft. Und nun auch noch das.

Es dauert jedoch nicht lange, bis Schelma Gefallen an der Planscherei findet und das allabendliche Ritual vor dem Schlafengehen sogar zu genießen beginnt. Wann die Probleme beginnen, wissen wir nicht mehr. Aber irgendwann in den Wochen nach ihrem Geburtstag geht es los.

Zunächst entwickelt Schelma eine panische Angst vor Duschkabinen. Als wir während eines Kurzurlaubs in Krakau nichts anderes zur Verfügung haben, schreit und tritt sie und krallt sich dermaßen an uns fest, dass wir es in den Folgetagen bei der Katzenwäsche belassen. Mit dem Ergebnis, dass Schelma bei unserer Rückkehr ordentlich müffelt. Doch das anstehende Komplettwaschprogramm zeitigt gleich das nächste Problem, das uns seither allwöchentlich verfolgt.

Sobald sich Wasser über ihren Kopf ergießt, macht Schelma die Marion Crane, die im Motelzimmer von Norman Bates unter der Dusche heimgesucht wird. Ganz so rabiat behandeln wir sie nicht. Wir machen lediglich ihre Haare nass, reiben sie mit Kinder-Shampoo ein und spülen sie wieder aus. Trotzdem fühlen wir uns angesichts von Schelmas Schreien wie in einer Kinderversion von „Psycho“.

Schelmas Cousine, so wird uns zugetragen, war zu ihren Kleinkindzeiten ein ähnlich schwieriger Fall und derart auf Abwehrmodus eingestellt, dass ihre Eltern sich gleich bis auf die Unterwäsche auszogen, bevor ihr Töchterchen in der Badewanne zum Rambo wurde und apokalyptisch um sich schlug.

Schelma verharrt derzeit noch eher in Schockstarre. Das einzige, was uns entgegenschlägt, ist ihre akustische Interpretation der Duschszene aus dem Hitchcock-Klassiker. Aber wir gehen für die nächsten Monate vom Schlimmsten aus. Schließlich sind Filmfans auch nicht von den Psycho-Fortsetzungen verschont geblieben.

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