Pa! pa!, tata

Schelma ist eines jener Kinder, denen die Internationalität quasi in die Wiege gelegt wird. Dass sie zweisprachig aufwachsen soll, stand nie zur Diskussion. Zur EM schwingt sie die polnische Fahne, während eine Deutschlandkette ihren Hals schmückt. So soll das sein. Was nicht heißt, dass mein Nationalstolz sich nicht ab und zu mit einem heimlichen Zwinkern bemerkbar macht.

Sparsamkeit, Sauberkeit, Ordnung und Fleiß wird uns Deutschen allerorten nachgesagt. Von der Sparsamkeit ist Schelma noch ausgenommen, den Part übernehmen für sie (und wegen ihr) beide Elternteile. Und der Fleiß? Ich denke an das zurückliegende Jahr mit den wöchentlichen Physiotherapiestunden, in denen Schelma mühsam, letztendlich aber erfolgreich die Freude an der Bewegung nahegebracht werden sollte. Lassen wir den Punkt beiseite! Aber noch bleiben ja Ordnung und Sauberkeit.

Ordnen kann sie in der Tat schon schön, wenngleich sich ihr System mir nicht immer auf Anhieb erschließt. Dafür bin ich umso beeindruckter, wenn sie mit ihrer Paradedisziplin Sauberkeit aufwartet. Schelma hat die faszinierende Fähigkeit, selbst auf drei Meter Entfernung eine durchsichtige Fussel zu erspähen, sie zwischen die Finger zu nehmen und mir vorwurfsvoll vor die Nase zu halten. Der Laut, den sie dabei ausstößt, klingt schon wie der Ansatz einer fast mütterlichen Standpauke.

Die wird sie eines Tages – die Zeichen deuten zumindest darauf hin – wohl zuerst auf Polnisch halten (und wohl auch hören). Das muss ich mir teils wohl auch selbst zuschreiben. Auch wenn ich mich in letzter Zeit abmühe zu quasseln, bis mir der Hals vor Trockenheit kratzt, hat Schelmas prinzipiell eher redefreudige Mutti gegen den prinzipiell eher maulfaulen Papi Wochen, wenn nicht gar Monate an Konversationsvorsprung.

Es ist keine Überraschung, dass eines von Schelmas ersten Worten nicht Nein ist, sondern Nie. Wenn ihr das Essen nicht schmeckt, wechselt sie mitunter allerdings schon in ein schnoddriges Berliner Nä! Entspricht das Mahl jedoch den Vorstellungen, hören wir ein relativ deutliches daj! Die Befehlsform von geben hat sie also auch schon drauf. Wenn sie ihr Spielzeug wiederum zwischen der Couch und der Wand versenkt, zuckt sie mit den Schultern, hebt die Hände in die Höhe und informiert uns mit einem Satz, der ziemlich nach Nie ma klingt: Ist nicht da.

Bei den Dingen, die Schelma schon deutlich benennen kann, führt auch das Polnische. Zumindest ist Schelmas pipi näher am polnischen pępek verortet als am deutschen Bauchnabel. Und selbst vor dem eigenen Papi macht Schelmas Spracherwerb nicht Halt. Der Papa im Polnischen ist nämlich tata. Wenn sie tatsächlich einmal pa! pa! sagt, weiß ich, was die Stunde geschlagen hat. Damit sagt man sich im Polnischen nämlich tschüss. Während Papa unter Schelmas winkenden Händchen also niedergeschlagen und wortkarg aus der Tür schleicht, bleibt Schelma zum redseligen Frauenabend mit Mama allein. Zumindest die ist in allen Sprachen gleich.

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