Schelma und die schönen Männer

„Wow, mit den Haaren und den Augen muss dich Papi später ja einsperren“, sagt unsere Physiotherapeutin, als sie Schelma zum ersten Mal sieht. Ich lächle geschmeichelt. Nun befürchte ich, dass diese Zeiten eher kommen, als es Papi lieb ist. Dabei haben wir schon gedacht, dass Schelma zu den Männern eher auf Distanz geht. Opa kann ein Lied davon singen. Opa ist nicht böse, aber jedes Mal, wenn Schelma ihn sieht, fängt sie an zu weinen.

Besonders schlimm ist es zu ihrem ersten Geburtstag. Auf der Straße muss Opa fünf Meter hinter uns laufen. Will er sich nähern, springen Schelmas Sensoren an und dicke Tränen purzeln über ihre Wangen. Und in der Wohnung sitzt Opa in der Ecke und traut sich gar nicht mehr, Schelma überhaupt anzusehen. Es ist für ihn nur ein schwacher Trost, dass Schelma bei meinem Schwager dasselbe Theater abspielt. Erst einen Tag später lässt sie Opa ran. Er darf sogar ganz nah zu ihr und Fotos mit ihr machen. Auf denen grinst sie nur schelmisch. Und Opa strahlt heller als die Sonne.

Vielleicht liegt es an der Haarfarbe. Schelma mag die dunklen Typen. Im Regionalzug nach Stettin wirft sie einen Blick auf den Zigeuner, der uns gegenüber sitzt. Es beginnt mit gegenseitigem Lächeln, am Ende bringt sie ihn dazu, für ihn zu steppen. Generell sind die öffentlichen Verkehrsmitteln und Parks Schelmas Jagdgebiet.

Sie guckt sich einen schmucken Südländer aus und beginnt mit der Lächeloffensive. Es dauert nicht lange, bis der Auserwählte anbeißt, das Lächeln erwidert und seinerseits in die Offensive geht, mit den Augen rollt, die Zunge rausstreckt, Grimassen schneidet. Schelma beherrscht die ganze Palette, sie lässt verführerisch ihre 5 ½ Zähnchen aufblitzen, klimpert mit den Wimpern, spielt lasziv mit ihrer Zunge. Wenn schließlich die Auserwählten an ihrer Endstation angekommen sind, winken sie Schelma noch einmal zu und steigen mit einem breiten Lächeln auf dem Gesicht aus. Und Schelma sucht unterdessen bereits ein neues Zielobjekt.

Wie soll das nur enden? Ich werfe mich nachts von einer Seite auf die andere, schwitze das Laken durch, und dieses eine Lied will mir einfach nicht mehr aus dem Kopf, erinnert mich fortwährend an meine kleine femme fatale:

‚Cause everybody knows
(She’s a femme fatale)
The things she does to please
(She’s a femme fatale)
She’s just a little tease
(She’s a femme fatale)
Ooh ooh oh
(She’s a femme fatale)
Ooh ooh oh

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.