Training mit Baby

Als die Zusage von der Kita steht, schnappe ich mir Schelma aus dem Bett, stemme sie in die Höhe und rufe „Zwycięstwo!“ – polnisch für „Sieg“. Schelma kringelt sich in der Luft vor Lachen. Sie ist an unsere Sporteinheiten schon gewöhnt. Ich vergesse im Überschwang der Gefühle leider nur, dass es bereits Schelmas Schlafenszeit ist – und versuche die nächste Stunde, meinen Fauxpas wieder gutzumachen.

Das schöne an einem Baby ist, dass man im Grunde auf gar nichts verzichten muss. Integration ist das Zauberwort. Statt Schelma mit ins Sportstudio zu nehmen, verlegen wir die Übungseinheiten kurzerhand nach Hause, denn sie ist handlich genug, um alle Körpergruppen gleichermaßen anzusprechen. Hier eine Auswahl.

Übung 1: Die Zwycięstwo-Variante

Wir befinden uns im hüftbreiten Stand, die Knie leicht gebeugt. Das am Boden liegende (später schon sitzende) Baby nehmen wir in beide Hände, ziehen es an die Brust und stoßen es dann mit ausgestreckten Armen Richtung Decke, wo es wild mit Beinen und Armen strampelt und ein paar Spuckfäden absondert. Anschließend senken wir die Arme und führen die Bewegung von vorn aus. Als Alternativübung können wir das Baby auch nach vorn, anstatt nach oben drücken. Das geht noch mehr auf die Arme.

Übung 2: Die Baby-Bauch-Kombinationen

Ausgangslage ist auf dem Rücken am Boden liegend. Fortgeschrittene heben den Oberkörper leicht vom Boden ab und winkeln die Beine in der Luft im 90-Grad-Winkel an. Die Hände befinden sich an den Fußknöcheln. Anschließend werden Beine und Arme wie eine sich öffnende Blüte vom Körper gestreckt. Danach geht es zurück in die Ausgangsposition. (Das Baby sitzt am besten daneben und schaut sich alles an, denn ich hatte immer Angst, dass mir Schelma durch die Hände rutscht.) Eine ähnlich effektive Bauchübung sind auch die Baby-Sit-ups. Das Baby sitzt zwischen unseren Füßen und wird von diesen fixiert. Mit Hilfe unserer Bauchmuskeln bringen wir uns in die Sitzposition. (Schelma hatte immer sehr viel Spaß bei dieser Übung. Meiner Schwiegermutter gefiel sie weniger. Als ich ihr sie einmal vorführte, presste sie die Lippen aufeinander und stemmte die Hände in die Hüften, während sich zwischen ihren Augenbrauen eine Zornesfalte entwickelte. Ich verzichte seitdem auf Baby-Sporteinheiten vor Publikum.)

Übung 3: Die Hoppe-hoppe-Reiter-Variante

Diese Übung ist für Kinder geeignet, die sich bereits in der Hoppe-Reiter-Phase befinden sowie für Erwachsene, denen an sanften Übungen für Po und unteren Rücken gelegen ist. Während wir mit dem Rücken auf dem Boden liegen, sitzt das Baby auf unserer Hüfte. Wir heben die Hüfte bis an den höchsten Punkt, verbleiben dort eine Weile und senken wieder langsam ab. Schon fertig. Anschließend eine Runde Hoppe-hoppe-Reiter.

Übung 4: Daddy’s walk

Die Übung kann in verschiedenen Varianten ausgeführt und in erster Linie dann angewendet werden, wenn einem das Gemecker des Babys auf die Nerven geht und es herumgetragen werden will. Das kann auf dem rechten Arm geschehen, auf dem linken, in einer Kombination von beiden, wenn ein Arm schwach werden sollte, auf dem Kopf oder den Schultern. Die Intensität wird dabei von Monat zu Monat kontinuierlich gesteigert. Der Schwierigkeitsgrad wird zudem durch eingebaute Kniebeuge erhöht (heruntergefallener Schnulli…) Bei Schelma begann ich das Training mit einem Startgewicht von 2880 Gramm. Ein Jahr später stemme ich schon 9,3 Kilo. Und ich weiß, da ist noch mehr drin.

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