TV Total

Kinder und Medien – ein heikles Thema. Wir meinen, die perfekte Balance gefunden zu haben. Die sagen wir aber nicht zu laut. Man weiß ja nie, ob wir uns dadurch in den Augen der anderen Eltern nicht zu Geächteten machen. Weiterlesen „TV Total“

Grüne Träume

Wir wollen uns vergrößern. Nicht biologisch. Räumlich. Wird schon klappen, denken wir. Kann ja nicht so schwer sein, denken wir. Muss doch möglich sein, etwas zu finden, denken wir. Bezahlbar. In Berlin.

Schon länger bewegen wir uns Richtung Mittelschicht. Zwei Einkommen. Ein Kind. Und zum ersten Mal bei einer Wahl das Kreuz für die Grünen gesetzt. Dass wir bio essen, versteht sich von selbst. Was fehlt nun noch? Klar, eine Eigentumswohnung.

Wir haben gespart. Ganz schön viel sogar. Vielleicht ist es eine tief in meinem Unterbewusstsein vergrabene Angst. Vielleicht auch einfach nur Feigheit. Vielleicht auch nur deutsches Denken. Aber nichts schaudert mir so sehr, wie Schuldner zu sein. Nur die Realität zwingt mich zu Anpassungen.

In diesem Jahr wollen wir unser Langzeitprojekt realisieren. In meiner naiven Denkweise stelle ich mir vor, wie wir ein paar Kataloge durchblättern, 2-3 Besichtigungen durchführen und dann den Deckel draufmachen, zur Sparkasse gehen und unser neues Eigentumswohnungsleben beginnen.

Dort, wo wir herkommen, wäre das von der Realität gar nicht einmal so weit weg gewesen. Ein Haus ab 9.000 Euro, ein Bauernhof ab 30.000 Euro. Mit einer kleinen zusätzlichen Finanzspritze hätten wir uns fast ein kleines Dorf zusammenkaufen können. Aber wir sind ja nun urban und müssen nach den urbanen Regeln spielen.

Die sorgen zumindest dafür, dass wir viel Zeit sparen können. Denn Angebote in unserer finanziellen Gewichtsklasse sind rar. Und dazu noch unsere Extrawünsche: Möglichst mit Balkon, grünes (was sonst?) Umfeld, gute Verkehrsanbindung. Um das Ende der Geschichte vorweg zu nehmen: In fünf Monaten treffen 10 Angebote auf diese Kriterien zu. Fünf davon sind bereits verkauft, bevor wir überhaupt einen Besichtigungstermin vereinbaren können.

Man muss schnell sein, das haben wir gemerkt. In Reinickendorf zum Beispiel. Verlockendes Angebot, auf den ersten Blick eine gepflegte Umgebung, die Wohnung selbst gut geschnitten – wenn man von dem leichten Messie-Charakter absieht, den die angebrochenen Starkbierflaschen hinterlassen. Die Interessenten geben sich beim Makler die Klinke in die Hand. Ein schwules Pärchen schüttelt ihm ausufernd die Hände zum Abschied, als wir eintreffen.

Dann erzählt er uns dieselben Geschichten, die er an diesem Tag 20, 30 Mal erzählt. „Ein Pärchen hat mir sogar Kuchen mitgebracht, total süß“, berichtet er mir und sieht mich, so kommt es mir vor, erwartungsvoll an. Ich krame in der Tasche, kann ihm aber nur ein Kaugummi anbieten. Da habe ich zum ersten Mal die Ahnung, dass das hier und heute nix wird. Zwischendurch wischt er auf seinem Handy rum. „Ha, die denken, die Wohnung gehört ihnen schon“, lacht er. Der Rest seines Satzes geht im Lärm unter. Reinickendorf. Einflugschneise von Tegel. Vielleicht deshalb der gute Preis.

„Gewöhnt man sich denn daran?“ frage ich, um den Smalltalk nicht abbrechen zu lassen.

„Wissen Sie, ich habe ein Penthouse in München, direkt neben einer Schule, aber die Schulklingel nehme ich schon gar nicht mehr wahr.“

Nun weiß ich nicht, ob man eine Schulklingel mit einer Boeing gleichsetzen kann, aber allein das Penthouse in München macht ihn mir unsympathisch. Vor allem, da er nicht viel älter als ich zu sein scheint. Wir verabschieden uns, ohne uns ausufernd die Hände zu schütteln. Vielleicht statt Reinickendorf lieber Steglitz? Soll ja auch schön sein. Und grün.

Tatsächlich spucken unsere Suchabfragen eines Tages ein Angebot aus. Wir wollen clever sein und schauen uns die Lage bei einem Sonntagsausflug schonmal vorab an. Eigentlich nicht schlecht, denken wir. Wenn die Wohnung nicht direkt an der vierspurigen Straße läge. Genauer gesagt: An der Kreuzung, an der sich zwei vierspurige Straße treffen. Im Erdgeschoss. Am nächsten Tag sage ich den Besichtigungstermin ab und bei uns macht sich Resignation breit. Vielleicht doch lieber auswandern? Oder dem Bauernhof auf dem Land eine Chance geben?

Und dann passiert es doch. In unserer Familienchronik nennen wir es fortan das „Wunder von Westend“. Westend, fortan ein Name voller Süße, voller Morgenröte. Wir betreten die Wohnung und wissen: Das ist sie. Schelma schnappt sich den Zollstock des Maklers und vermisst ihr zukünftiges Zimmerchen. Wir blicken vom Balkon auf den Horizont und sehen, wie sich die Flugzeuge in der Ferne gen Erde senken. Über Reinickendorf.

Wir hingegen sind schon angekommen.

Was danach geschah. Deutsche Bürokratie in Hochform. Dabei wollen wir nur eine Wohnung kaufen und kein Schloss mit Nutzungskonzepten und Bauamtgenehmigungen.
Und danach? Lernen wir deutsche Bürokratie in Hochform kennen. Dabei wollen wir nur eine Wohnung kaufen und kein Schloss mit Nutzungskonzepten und Bauamtgenehmigungen.

Die Excel-Eltern

Was bisher geschah: Schelma wächst und gedeiht, erfreut (und erschöpft) uns durch eine rege Fantasie und auch im sozialen Leben entwickelt sie sich und knüpft fleißig Kita-Freundschaften. Alles nimmt also seinen unspektakulären Gang. Zeit also, um Prozesse zu hinterfragen und zu optimieren. Weiterlesen „Die Excel-Eltern“

Waka waka (This time for Africa)

Betrachten wir es philosophisch. Bei einer Reise erweitern wir nicht nur unseren eigenen, sondern auch den Horizont unseres Kindes, bringen ihm Selbstbewusstsein bei und zeigen ihm, dass die Welt nicht auf dem Weg zur und von der Kita endet. Den Blick über den Tellerrand haben wir diesmal ziemlich weit geworfen – bis ans Ende Afrikas.

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